Ahoj alle zusammen,
Jetzt ist schon (fast) ein ganzer Monat vergangen seit ich in Lito angekommen bin und jeden Tag ist wieder etwas neues spannendes passiert. Deshalb habe ich alle lustigen und spannenden Geschichten des ersten Monats unter verschiedenen Überschriften zusammengefasst.
Viel Spaß dabei:
… Der Schrank mit dem Katzenfutter ist von hinten zugänglich.
Dieser Spruch steht hier stellvertretend für alle katerbezogenen Abenteuer der letzten Wochen. Mikeš ist immer noch ein großer Fan von Kühlschrank und Spühlmaschine, versteckt sich liebend gerne in meinen Radtaschen, verwechselt einen Eimer mit Kastanien mit seinem Katzenklo, attakiert regelmäßig Schnürsenkel und Füße, und kriecht in Pizzakartons. Was er allerdings auch für sich entdeckt hat ist unser Küchenschrank. Das wäre an sich gar kein Problem, allerdings ist genau dies der Schrank, in dem sein Trockenfutter gelagert wird. Und das hat er natürlich sofort für sich genutzt.

Der Kater und sein Liebling, die Maus.
… Ústi ist eine spezielle Stadt
Diesen Satz hört man immer, wenn man andere Menschen nach unserer Nachbarstadt Ústi fragt. Manchmal werden noch einzelne Clubs oder Galerien genannt, die in Ústi besuchenswert sind. Manchmal kommt als Beispiel nur die komplett verlassene Straße. Einmal sind wir sogar davor gewarnt worden, in Ústi in der Elbe schwimmen zu gehen. Warum? Wir wissen nur, dass man dann ganz schnell abmagern soll. Aber das wundert uns nicht, denn Ústi ist eine spezielle Stadt.
… In Terezin gibt es unendlich viele Dokumente und Fotos, aber kaum eines davon ist digitalisiert. (Update: Mittlerweile haben wir digitale Dokumente)
Ein sehr sehr großer Teil unserer Arbeit in Terezín besteht daraus, alte Dokumente und Fotos aus allen möglichen Ordnern (von denen wirklich viele „Festplatte“ heißen) zusammenzusuchen und neu zu sortieren. Dabei haben wir festgestellt, dass sehr viele Bilder gar nicht mehr in digitaler Form existieren und Dokumente oft nur noch als PDF vorhanden sind.
… Limonade kann sehr viel Alkohol enthalten.
Schon bei unserem ersten Aufenthalt in Prag haben wir eine sehr wichtige Lektion gelernt: Alkohol versteckt sich überall. Auch in hausgemachter Limonade. Ziemlich fassungslos reichte Kim ihre „Limonade“ zum probieren herum, der Geschmack war eindeutig Wodka mit einem Hauch Zitrone. Wir alle waren ratlos.
Ein paar Minuten später kam die Kellnerin zurück, entschuldigte sich und gestand, dass sie Wodka mit Wasser verwechselt hatte. Warum auch nicht? Es war zumindest die wertvollste Limonade, die ich jemals gesehen habe.
… Gemüse ist sehr geil (und leider viel zu selten auf der Speisekarte)
An Gemüse ist bei uns tatsächlich sehr schwer zu kommen. Ich weiß nicht ob es eine typische tschechische Mentalität gibt, die frische Dinge aus Prinzip ablehnt (wahrscheinlich nicht) aber so einen Begriff kennt man in der Gedenkstätte nicht. Es ist zwar immer sehr leckeres Essen (wenn auch sehr sehr fleischlastig) aber nicht sehr gesund. Und vor allem super viel!
… wir haben keinen Kicker
Neulich hat ein Mann uns besucht, der nächstes Jahr mit einer Jugendgruppe nach Terezin kommt. Er wollte mit uns über das Programm reden und auch die Unterkunft sehen. Auf dem Weg erzählte Kim ihm, dass es im Raum im Keller einen Kicker gäbe, den man jederzeit benutzen könne. Er war begeistert und schwärmte die ganze Zeit davon, wie toll das für seine Schüler sei. Nach einigen kleinen Schwierigkeiten (in denen wir die Neue Stätte nicht finden konnten und erst Friedemann um Rat fragen mussten) erreichten wir schließlich unser Ziel.
Ernüchternd war es dann festzustellen, dass es zwar einen Raum, jedoch keinen Kicker gab. Naja was soll’s. Es war unsere erste „Führung“.
…Gregor Samsa ist eigentlich ein Dekogegenstand
Wenn unsere WG Langeweile hat, dann hängt sie mitunter auch mal Dekogegenstände an die Decke, das ist vielleicht noch Nachvollziebar. Wenn diese Dekogegenstände jedoch verdächtig nach strasssteinbesetzten Gregor Samsas aussehen, dann wird es lustig. Erst zitierten wir die Verwandlung nur aus Spaß, dann schrieben wir den Satz gleich auf und hängten ihn zu Gregor an die Decke. Natürlich rückwärts geschrieben, sonst wäre es ja langweilig.

… 5000 Kronen sind NICHT viel (Aber zum Glück können Eltern einkaufen:)
Der September (mit nur 2500 Kronen Geld, weil wir ja nur den halben Monat hier waren) war tatsächlich hart. Wir mussten viele Grundnahrungsmittel kaufen, hatten die ersten Kosten für den Kater und brauchten alle eine InKarta.
Trotzdem war es eigentlich nur ein Scherz, als wir sagten, dass wir unsere Eltern für uns einkaufen lassen. Als meine Eltern jedoch zu Besuch kamen wurde es zur Realität. Wir gingen gemeinsam einkaufen (eigentlich wollten wir das nur wegen des Autos machen, damit wir nicht zu viel schleppen mussten) und meine Eltern bezahlten den gesamten Einkauf. Danke nochmal! Ihr seid immer wieder hier willkommen;)
… zwei Portionen beim Mittagessen bringen einen beinahe um. Aber dem Küchenpersonal macht es Spaß.
Es musste ja so kommen, dass einer von uns beiden eines Tages bei beiden Menüs eingetragen ist. (Bei uns auf der Arbeit gibt es immer die Wahl zwischen zwei verschiedenen Gerichten, die man per Hand in eine Listen eintragen muss)
Un siehe da, letzte Woche war genau dies der Fall. Ich kam nichtsahnend zum Mittagessen und sagte der Dame, dass ich das gleiche Essen hätte wie Kim. Und plötzlich stand ich da. Mit zwei randvollen Tellern in der Hand. Breit grinsend erklärte mir die Köchin, dass ich beide Menüs bestellt hätte und sie dementsprechend auch essen müsse. Zum Glück gibt es Kollegen, mit denen man teilen kann!
… Treffen mit unseren Vorgesetzten dauern nur 10 Minuten und finden um 8:20 statt
Als Friedemann bei uns zu Besuch war, hatte ich nicht so viel Schlaf (genauer gesagt ca zwei Stunden). Wir hatten allerdings einen Termin mit unseren Vorgesetzten. Um 8:20 am Morgen. Um 7:45 radelten wir also im Regen los, mit der festen Absicht, nach diesem Treffen zum Frühstück wieder nach Hause zu fahren. Aus diesem Tag lernten wir drei Dinge:
1. Dieses Treffen war nur eine Vorstellung der neuen Freiwilligen und dauerte zehn Minuten
2. Schutzbleche sind unabdingbar, sonst sind die gesamten Kleidungsstücke schlammig
3. Deine Pläne können sehr schnell über den Haufen geworfen werden. Wir waren schon fast wieder auf dem Weg nach Hause, da kündigte sich jener Besuch an, über den ich weiter oben bereits geschrieben habe.
… Vermieterinnen können echt klasse sein #Hochbett
Der Titel sagt eigentlich schon alles. Eines Tages unterbreitete Petra uns, dass unsere Vermieterin am nächsten Tag kommen werde um unseren Sperrmüll mitzunehmen und ein Hochbett mir extra neu gekaufter Matratze bei uns aufzubauen. Einfach so.

… Sachsen gehen im Gebirge baden (und Sandstein ist porös)
Am ersten Oktoberwochenende war die WG mit meinen Eltern in der Böhmischen Schweiz. Beim Spazierengehen konnten Kim und Simon es nicht lassen, ihre Kletterfähigkeiten an den Sandsteinfelsen unter Beweis zu stellen. „Der Sandstein hat mich aber nicht gelassen!“, berichtet eine aufgelöste Kim, nachdem der Boden ihr die Luft aus der Lunge gepresst hat.
Doch trotzdem hatte dieser Ausflug seine positiven Seiten. Eine vorbeilaufende sächsische Dame sagte nur mit einem Blick auf die Wanderschuhe am Wegesrand: „Da hat ener die Schuhe ausgezogen, da geht ener baden“. Wo man auf 400 Meter Höhe an einer Felsenwand baden gehen kann, ist uns allerdings bis heute ein Rätsel.

Ganz offensichtlich. Kim geht baden.

... An Tschechischen Feiertagen sind Restaurants voll. Genauso wie Parkplätze.
Am gleichen Wochenende machten wir gleich zweimal die gleiche Erfahrung. Am Donnerstag, dem tschechischen Feiertag, war ich mit Zoe und André wandern. Unser Weg betrug ca. 19 Kilometer und auf der Hälfte war ein kleines Dorf mit zwei Restaurants. Wir wollten dort essen und Zoe und ich hatten dementsprechend keinen Proviant dabei. Leider war in keinem der Lokale auch nur ein Platz frei. Wir mussten bis zum Ende weiter laufen und dann dort essen.
Zwei Tage später wollten wir mit meinen Eltern zusammen ebenfalls wandern gehen und mit dem Auto Richtung deutsche Grenze fahren. Was wir nicht bedacht hatten: Sowohl die Tschechen als auch die Deutschen hatten ein langes Wochenende. Parkplätze gab es erst zwei Dörfer weiter als geplant.